KW “Obere Lutter”

Das Klärwerk “Obere Lutter” in Gütersloh wird vom Abwasserverband “Obere Lutter” betrieben und behandelt die Abwässer, welche ihm aus den südlichen Teilen der Stadt Bielefeld und den nördlichen Ortsteilen der Stadt Gütersloh über drei eigene Hauptsammler zugeführt werden. Das Verbandsklärwerk des Abwasserverbandes „Obere Lutter“ (AOL) ist eine zweistufige, mechanisch biologische Abwasserreinigungsanlage mit einer nachgeschalteten Festbettdenitrifikation und einer Flockungsfiltration (Biofor). Die Flockungsfiltration besteht aus 10 Kammern mit je. 40 m² Filtrationsfläche. Der Kläranlagenablauf wird in Schönungsteiche geführt.

Technische Daten

Einwohnerwert (Ausbau)

380.000 E

Einwohnerzahl (2011)

75.000 E

Einwohnergleichwert (2011)

110.000 E

Jahresschmutzwassermenge (2011)

6,7 Mio. m³/a

CSBmittel im Zulauf zur Behandlungsanlage

48 mg/l

TOC im Zulauf zur Behandlungsanlage

5 mg/l

Nges im Zulauf zur Behandlungsanlage

3 mg/l

Pges max im Zulauf zur Behandlungsanlage

0,5 mg/l

Bemessungswassermenge

QTW= 1125 m³/h

Die Flockungsfiltration des Klärwerks “Obere Lutter” (Die hinteren drei Filterkammern sind mit granulierter Aktivkohle befüllt)

 

 

Der technische Teil des Umbaus

Mittlerweile sind drei der zehn Kammern in der Flockungsfiltration mit granulierter Aktivkohle (GAK) ausgerüstet worden. Bei dieser Kohle handelt es sich um Aquasorb 5000 der Firma jacobi carbons.

Um die Versuche mit der Aktivkohle durchzuführen, musste dir Mess-, Steuer und Regeltechnik in der Flockungsfiltrationsanlage ergänzt bzw. nachgerüstet werden.

Bei der ursprünglichen Anlage wurde das Abwasser über Absturzbauwerke auf die einzelnen Filter verteilt. Damit bekam jeder Filter ein Zehntel der Gesamtmenge, da 10 Filter in Betrieb waren.

Schematischer Aufbau eines BIOFOR-Filters

 

 

Schematischer Aufbau eines umgerüsteten Aktivkohlefilters

 

 

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Im Zuge der Umrüstung erhielten alle zehn Filter eine Ultraschallmengenmessung.

 

 

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Die pneumatischen Zulaufklappenantriebe wurden durch pneumatische Regelantriebe ersetzt, damit ein Drosselbetrieb möglich ist.

Die pneumatischen Zulaufklappenantriebe wurden durch pneumatische Regelantriebe ersetzt, damit ein Drosselbetrieb möglich ist.

Je nach Abwasseranfall läuft nur noch ein Teil der ursprünglichen Filter. Diese Maßnahme ist notwendig, damit für die Versuche an den Aktivkohlefiltern stets eine ausreichende Wassermenge verfügbar ist. Zudem stauen wir die Verteilrinne ein, um auch im Drosselbetrieb eine fehlerfreie Durchflussmessung bei vollständig gefüllten Filterzulaufleitungen sicherzustellen. Der Höhenstand in der Verteilrinne dient somit als Regelgröße für die Stellung der Drosselschieber. Die Abwassermenge, die nicht im Rahmen des Versuchs benötigt wird, wird weiterhin in den konventionellen Filtern behandelt. Weil wir im Versuchsbetrieb bis zu 30 % der Gesamtabmenge durch die Aktivkohle fahren, ist eine erhebliche Verbesserung der Wasserqualität festzustellen.

Verteilung des zulaufenden Wasser auf die einzelnen Filterkammern
Bedeutung der Abkürzungen:
GF`= Großtechnischer Filter – die ursprünglichen BIOFOR-Filter
GA = Großtechnischer Adsorber – die mit granulierter Aktivkohle befüllten Filter
PN = diverse Probenahmestellen

 

Nachdem der technische Umbau abgeschlossen war, musste das Filtermaterial aus den Versuchsfiltern entfernt werden. Weil in den Betriebsjahren durch Abrieb und Spülvorgänge ein Verlust an Filtermaterial aufgetreten ist, konnte das Biolit aus Filter Nr. 5 auf die übrigen Filter verteilt werden. Dies erfolgte mit einer selbstkonstruierten Mammutpumpe, die über einen Seitenkanalverdichter betrieben wurde.

 

Die beiden weiteren Versuchsfilter konnten wir nicht auf diese Weise entleeren, da in den übrigen Filterkammern genügend Filtermaterial eingebracht wurde. Daher kam zur Entleerung der Filter Nr. 3 und 4 ein Saugbagger zum Einsatz. Diesen Vorgang verdeutlicht der nachfolgende Film:

 

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Nach der Filterentleerung installierten wir einen Tankwagenanschluss im Bodenbereich, damit die beladene Aktivkohle zur Reaktivierung in Zukunft einfach abgesaugt werden kann.

 

 

 

Angeliefert wurde die Aktivkohle im Silowagen. Um eine Filterkammer zu füllen, sind drei Silowagen erforderlich. Die Befüllung erfolgte zunächst über eine “fliegende” Schlauchleitung, im späteren Versuchsverlauf über die fest installierten Befüllungsleitungen.:

Zur Entleerung der Tankwagen kam Brauchwasser zum Einsatz. Damit die Aktivkohle sich während des Füllvorgangs nicht zerreibt, füllten wir die Filterkammern mit etwas Wasser. Zur gleichmäßigen Aktivkohleverteilung in den Filterkammern schalteten wir die Prozessluftgebläse ein.

 

Der Aktivkohleversuch lief von Januar bis Oktober 2011, bis die Aktivkohle erschöpft war und regeneriert werden musste. Nun kam der neue Anschluß zur Filterentleerung zum Einsatz. Eine durch die Fa. Jacobi installierte Injektorpumpe fördert die Aktivkohle mit einem Wasserstrom in die Tankwagen:

Zur Regenerierung wurde die Aktivkohle zu einem Werk der Fa. Jacobi in Premnitz gebracht, wo sie in Drehrohröfen bei über 600 °C reaktiviert wurde. Dieser Vorgang dauerte etwa zwei Wochen. Der nachfolgende Film zeigt die Aktivierung der Aktivkohle in einen Drehrohrofen der Fa. Jacobi. Der Film wurde von der Fa. Jacobi Carbon zur Verfügung gestellt.

 

Die reaktivierte Aktivkohle konnte nach ihrer Rückkehr über die fest installierten Befülleitungen wieder zurück in die Filterkammern geleitet werden.

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